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Vorwurf Nr. 1:
„Baader war überzeugter Nationalsozialist, weil er 1933 in die Partei eintrat“
Richtigstellung zum ersten Vorwurf:
Baader stand, wie viele Zeitgenossen, unter dem Eindruck des widerstandslosen Endes der Weimarer Demokratie und der enormen Geschwindigkeit und Rigorosität des Umbaus zum nationalsozialistischen Staat. In der Erwartung, dass dieser deutlicher länger überdauern würde, als die Weimarer Republik, aber in Unkenntnis der späteren Entwicklungen trat er – sicher aus opportunistischen Erwägungen – der NSDAP bei. Seine Distanz zur Parteipolitik wuchs jedoch stetig, weil sie zu seiner internationale, bürgerlichen und toleranten Grundhaltung in immer stärkeren Widerspruch geriet. Der Eingliederung seines Instituts in staatliche statt universitärer Strukturen und dem Abbruch seiner internationalen Beziehungen widersetzte er sich erfolgreich; jüdischen Mitarbeitern verhalf er zur Flucht. Aktiven Widerstand leistete er dabei zwar nicht, aber nur seine damals unersetzbare fachliche Expertise verhinderte am Ende seine Absetzung; eine weiterführende Karriere konnte er aufgrund der Spannungen zur Partei während der NS-Herrschaft nicht mehr machen. Unmittelbar nach dem Krieg ging seine Entnazifizierung ohne Hindernisse und zügig vonstatten und wurde, nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Leumundsbekundungen, später bestätigt. Er blieb eine weltweit anerkannte Kapazität seines Faches, von deren Renommee die medizinische Wissenschaft Deutschlands in der Nachkriegszeit enorm profitierte.
Beweisführung zur Richtigstellung:
Entgegen manch heutiger Wunschvorstellung eines gewaltsamen Staatsstreichs kam Adolf Hitler auf demokratischem Wege – nämlich durch Wahlen – an die Macht. Hitler riß sie nicht im Stile mittelamerikanischer Diktatoren revolutionsartig an sich, obwohl die jahrelangen gewaltsamen Auseinandersetzungen der NSDAP und ihrer Splitterorganisationen mit der Weimarer Republik diese Vermutung vielleicht nahe legen würden. Diesen Umstand gilt es bei Bewertungen von Handlungen im unmittelbaren Umfeld der Begründung des nationalsozialistischen Regimes 1933 zu berücksichtigen. Nur so kann die Zeit uns Heutigen auch als Lehrbeispiel und Mahnung zur demokratischen Wachsamkeit dienen. Die Demokratie Weimars wurde nicht gewaltsam überrumpelt, sie wurde unter Beteiligung eine Mehrheit in Volk und Eliten von innen heraus aufgelöst.
Warum Menschen in einer solchen historischen Situation eine Handlung – etwa konkret einen Parteibeitritt – vollziehen, andere diese aber unterlassen, kann nur aus der Zeitgeschichte heraus beurteilt werden. Der groteske Ansatz mancher (Pseudo-) Historiker und Politologen gerade nicht zeitgeschichtlich zu werten, also nicht die seinerzeit herrschenden politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen, soziologischen und anderen Gegebenheiten gegeneinander abzuwägen und in eine geordnete und sachgerechte Beziehung zu stellen, sondern ausschließlich aus der „Ist-Zeit“ zu werten, führt in die falsche Richtung. Die gegenwärtig vorherrschende Diskussion so mancher, die sich – mit keinem oder ohne größeres Fachwissen ausgestattet – an die Bewertung des Nationalsozialismus begeben haben, bringt gerade und vor allem unter den Vorzeichen der „political correctness“ und neuerdings auch der „gender-Bewegung“ waghalsige Ergebnisse.[1] Es lohnt sich daher – gerade weil Baader eine gerechte Betrachtung verdient hat – einen Blick auf den Zeitraum zu werfen, in dem die Weimarer Republik (von keinem mehr gehalten) unterging.
Ein solcher Blick lohnt sich, wie gesagt, hervorragend als Lehrbeispiel wie schnell Demokratien von innen heraus kippen und quasi über Nacht diktatorische Strukturen errichtet werden können. Die im Jahre 2016 zu verzeichnende Mutation der Türkei zu einem diktatorischen Staat, in dem innerhalb kürzester Zeit Legislative, Exekutive und Judikative sich ihrer Rechte beraubt sehen und ein auf eine Person ausgerichtetes Machtsystem aufgebaut wurden, erinnert fatal an die historischen Beispiele des „Ermächtigungsgesetz von 1933“ und die Zeit nach dem (letzten) Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944: quasi im Zeitraffer.
Um Baader entsprechend einordnen zu können, muss also nicht sein Verhalten allein – isoliert und von heute aus beurteilt – sondern immer auch die damalige Zeit verstanden werden. Was geschah in Deutschland 1933?
• „Am Anfang steht, daß Hitler nicht als Usurpator die Herrschaft an sich gerissen hat. Vielmehr hatte er sich geduldig, unter Inkaufnahme zahlreicher Rückschläge, lange im Hintergrund gehalten und auf den Ruf gewartet, der es ihm erlaubte, als ‚Retter’ vor einem in tausend Ausweglosigkeiten verstrickten parlamentarischen System die Szene zu betreten. Die Weimarer Parteien waren längst zu bewegungsunfähigen, der Eigensucht weit mehr als dem staatlichen Grenzen verpflichteten und in alten ideologischen Grabenkämpfen erstarrten Gebilden geworden. Ihre Verantwortung zu Regierungsbildung und Gesetzgebung hatten sie schon vor Jahren an den Präsidenten und sein Notverordnungsrecht abgetreten, und es war gerade Hitlers Versprechen einer Rückkehr zur parlamentarischen Praxis gewesen, das Hindenburg nach langem Zögern dazu gebracht hatte, dem Führer der Nationalsozialisten die Kabinettsbildung zu übertragen. Als Kanzler einer Koalition mit der Deutschnationalen Volkspartei wurde ihm am Vormittag des 30. Januar 1933 die Regierung übergeben.“[2]
Baader wurde – dies ist urkundlich gesichert – zum 1. Mai 1933 unter der Mitgliedsnummer 2.672.879 in die NSDAP aufgenommen. Nicht früher und nicht später. Dieser knapp drei Monate nach Ernennung Hitlers als Reichskanzler folgende Parteieintritt ist für Baaders nachgeborene Kritiker das „Zeichen“ eines glühenden Nationalsozialisten. Es wäre töricht bei einem hochintelligenten Menschen – wie es Baader nun mal war – den Parteieintritt isoliert, ohne Betrachtung auf die Zeitumstände zu sehen.
• „Die dem Begriff wie der Sache nach höchst paradoxe Idee der ‚Legalen Revolution’ hat indessen nicht nur die Gegner gelähmt und Hitlers eigene Verbündete über seine Absichten getäuscht. Ebenso folgenschwer war ihre Wirkung auf die Beamtenschaft, die den trotz aller unübersehbaren Ausschreitungen im ganzen gesetzlichen Charakter dieser Umwälzung mit Genugtuung vermerkt hat. Dankbar, von dem inneren Zwiespalt, wie ihn jede revolutionäre Lage mit sich bringt, verschont zu bleiben, haben die Beamten sich und ihren Sachverstand dem Regime von Anfang an bereitwillig zur Verfügung gestellt, so daß es bruchlos über den gesamten Apparat der staatlichen Bürokratie gebot. Gewiß gab es gerade in ihren Reihen starke, aus alten obrigkeitsstaatlichen Traditionen herstammende antidemokratische Vorbehalte. Aber erst der legale Schein hat sie auf die Seite der neuen Machthaber geholt oder jedenfalls einen Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Machtergreifungskurses im Grund gar nicht erst aufkommen lassen. Bezeichnenderweise sind schon die Notverordnungen vom 28. Februar 1933, die nach dem Reichstagsbrand fast alle wichtigen Bürgerrechte beseitigte, sowie das Ermächtigungsgesetz, das Hitler von der legislativen Mitwirkung des Reichstages befreite, von loyalen, dem Nationalsozialismus zunächst keineswegs ergebenden Beamtenstäben vorbereitet und ausgearbeitet worden. Nicht anders verhielt es sich mit der Folge der weiteren Gesetze, die den Verfassungsstaat dann Schritt für Schritt zerstörten.“[3]
Die Intention Baaders, in die Partei einzutreten, ist aus historisch gesicherter Quelle bekannt, wenngleich diese Quelle bei Baaders Kritikern zwar genannt, aber eben nur verkürzt genannt wird. Doch lohnt es sich, bevor des Rätsels Lösung offenbart und die Frage nach dem „Warum“ beantwortet werden soll, einen Blick auf die untergehende Republik zu werfen, auf ihre eigene staatliche Hilflosigkeit und die nahezu vollständige Kapitulation demokratischer Strukturen und Institutionen, die dieses staatliche Gebilde in Auflösung noch verkörperte.
• „Durch eine Notverordnung, die am 6. Februar 1933 ergangen war, erhielt der Ministerpräsident Hermann Göring freie Hand und begann unverzüglich, Politiker wie Beamte nach Gutdünken aus ihren Ämtern zu werfen. Noch im Verlauf des gleichen Monats wurden die Polizeipräsidenten in vierzehn Großstädten abgelöst, ferner Regierungspräsidenten, Landräte und Ministerialbeamte. Das Muster war auf allen Ebenen nahezu das gleiche. Massen von Parteimitgliedern wurden als Vertreter des seiner selbst nicht mehr mächtigen Volkszorns aufgeboten, dann die öffentliche Sicherheit als gefährdet hingestellt und anschließend ein Amtswalter oder SA-Führer, der meist keinerlei Verwaltungserfahrung besaß, zum kommissarisch beauftragten Nachfolger bestellt. Auf diese Weise stieß man im nächsten Schritt nicht genehme Bürgermeister aus dem Amt sowie schließlich, einen nach dem anderen, die Ministerpräsidenten der Länder. Am 22. Februar ernannte Göring Einheiten der SA, SS und des deutschnationalen ‚Stahlhelms’ zu Hilfspolizisten und gab damit das Signal zu einem Ausbruch täglich neuer Schlägereien, Verhaftungsaktionen, Schießgefechten und Verwüstungen von Wohnungen, Parteibüros oder Zeitungsredaktionen. Die sozialistischen Affekte der braunen Bürgerkriegstruppe machten sich überdies in ‚antikapitalistischen’ Terrorakten gegen Banken und Börsenvorstände Luft. Besondere ‚Fangtrupps’ der SA spürten ‚Staatsfeinde’ auf und prügelten, quälten oder erpressten sie in Bunkern und sogenannten ‚Heldenkellern’. Allein in Berlin gab es fünfzig solcher Folterstätten, und es war um diese Zeit, daß der erste Leiter des Geheimen Staatspolizeiamtes, Rudolf Diels, mit seiner Behörde in eine ehemalige Kunstgewerbeschule in der Prinz-Albrecht-Straße 8 einzog, die bald zu einer der Schreckensadressen des Regimes wurde. Neben der SA begann auch er, politische Gegner festzusetzen. Binnen kurzer Zeit boten die Gefängnisse nicht mehr hinreichend Platz, so daß man die Inhaftierten in eigens eingerichteten Lagern unterbrachte, für die sich rasch der Begriff ‚Konzentrationslager’ einbürgerte. Die in großer Mehrheit nicht betroffene Bevölkerung nahm diese offenen Unrechtsakte mit kaum begreiflichem Gleichmut hin, wie sehr dabei auch Draperien des Legalitätskurses zerrissen. Man kann ihre Ungerührtheit schwerlich verstehen, wenn man die demoralisierenden Wirkungen der mehr als drei Jahre anhaltenden Wirtschaftskrise und des Massenelends nicht berücksichtigt, die zermürbende Nöte eines Daseins zwischen Arbeitsamt, Wärmehalle und Armenküche. Hinzu kam, daß der Terror der SA-Banden diejenigen nicht sonderlich zu schrecken vermochte, die seit Jahren und auf allen Straßen den Bildern regelloser Gewalt begegnet waren. Das öffentliche Bewußtsein, das der konfusen, schon lange nicht mehr beherrschbar erscheinenden Zustände überdrüssig war und nach wiederhergestellter Autorität verlange, deutete sie als Ausdruck einer in den Agonien von Weimar zu lange vermißten Energie. Viele sahen darin sogar eine letzte Chance für jenen durchgreifenden Wandel, der einzig noch Rettung versprach. Der Parteienstaat jedenfalls war abgetan. Die präsidalen Regime der zurückliegenden Jahre hatten die Menschen ohnehin an eine Regierungspraxis der verstärkten, von parlamentarischen Einreden kaum noch behinderten Staatsmacht gewöhnt.“[4]
• „Wie das Wahlergebnis offenbarte, blieb die Zurückhaltung beträchtlich, und die Anzahl derer, die dem um sich greifenden Bekenntnisdrang zum Neuen nicht erlagen, war weit größer, als die Propaganda des Regimes vorgab. Viele nahmen die Ereignisse in einem seltsam zerfahrenen Stimmungsdurcheinander hin. Mitgerissensein wechselte mit Besorgnis, Karriereehrgeiz, Bewunderung, neuen Zweifeln und doch wieder Stolz. Mitunter kam es, insbesondere auf der äußersten Linken, zum Übertritt geschlossener Kampfformationen, etwa des kommunistischen Rotfrontkämpferbundes, in die Reihen des gestern noch erbittert bekämpften Gegners und auf der Rechten zu immer neuen, oft voreilig geleisteten Selbstgleichschaltungen und Selbstauflösungen. Das alles ist in den Chroniken der Zeit vermerkt. Weit seltener dagegen verzeichnen sie die ungezählten, nie genauer erfaßten Gegner des Regimes, deren Spuren sich im Verlauf der ersten Wochen und Monate im Unaufklärbaren verlieren. Man weiß von 26.000 ‚Polizeigefangenen’ bis Mitte Oktober. Erheblich höher liegt zweifellos die Zahl derer, die ohne Verfahren in eines der rasch entstehenden, metastasenhaft sich über das ganze Land hin ausbreitende Konzentrationslager eingeliefert wurden. Die offiziellen Angaben nennen für die gesamten zwölf Jahre drei Millionen Häftlinge aus politischen Gründen. Eine andere Zahl besagt, daß während der ersten sechs Jahre 225.000 Personen in politischen Verfahren abgeurteilt wurden. Das Bild wäre indessen nicht vollständig ohne die Darstellung des widerstandslosen Erlöschens aller formierten politischen Kräfte von links bis rechts. Vielleicht hat nichts so sehr die ausgegebene Lebenskraft der Republik von Weimar offenbart wie das ruhmlose Ende der Parteien und Verbände, die sie getragen hatten. Selbst Hitler zeigte sich überrascht: ‚Man hätte nie einen so kläglichen Zusammenbruch für möglich gehalten’, äußerte er Anfang Juli 1933 in Dortmund. Verbote, Hausbesetzungen und Vermögenskonfiskationen, die noch kurze Zeit zuvor unzweifelhaft einen bürgerkriegsähnlichen Aufruhr entfesselt hätten, stießen nun auf achselzuckende Hinnahme. Es liegt daher mehr Wahrheit, als er selber glaubte, in der Empfindung des ehemaligen Reichskanzlers Heinrich Brüning am Tag von Potsdam, dem von Präsentiermarsch, Orgelklängen und Bollerschüssen begleiteten Staatsaktes vom 21. März 1933 zur Eröffnung des neuen Reichstages, er werde, als er im Zug der Abgeordneten zur Garnisonskirche hinüber schritt, ‚zum Richtplatz geführt’. Das Urteil, dessen Vollstreckung bevorstand, hatten er und alle, die mit ihm gingen, sich selbst gesprochen. Es war nicht so der Untergang der Republik, der ihnen zur Last zu legen war, wie sehr sie deren Ende auch durch Schwäche und Blindheit verschuldet hatten. Denn Zeit seines Bestehens hatte dieser Staat sich zu vieler innerer wie äußerer Gegner erwehren müssen und überdies die Ungunst der Geschichte gegen sich gehabt. Aber daß diejenigen, die ihn repräsentierten, über die letzte Stunde hinaus die Gefahr nicht erkannten, die ihm und ihnen allen drohte, und keine Anstalten zur Gegenwehr trafen, spricht doch eine Art Urteil über ihr politisches Begreifen. Schon seit 1930 hatten sie sich, angeführt von der SPD, auf die Flucht vor der parlamentarischen Verantwortung begeben und die ‚alte Oppositionsherrlichkeit’ gesucht, zugleich aber, im Ton Tag für Tag dramatischer, die ‚bedrohte Demokratie’ beschworen. Noch im Dezember 1932 war ein letzter Rettungsversuch des Kanzlergenerals Kurt v. Schleicher an der kalten Indolenz derer gescheitert, die sich rhetorisch leidenschaftlich zur Republik bekannten und sie politisch ihrem Schicksal überließen. Selbst als Hitler nicht mehr vor den Toren, sondern schon innerhalb der gern als ‚Festung’ ausgegebenen Republik stand, hatten sie noch immer nicht erkannt, woran sie waren. Rudolf Breitscheid, der Fraktionsvorsitzende der SPD im Reichstag, der im Konzentrationslager Buchenwald endete, klatschte vor Vergnügen in die Hände, als die Nachricht von der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler eintraf; nun werde er sich rasch bloßstellen. Und Julius Leber, der zu einem der führenden Köpfe des Widerstandes wurde, meinte herablassend, er warte jetzt wie alle Welt darauf, endlich die ‚geistigen Grundlagen dieser Bewegung zu erfahren’. Noch krasser, aus Hochmut und Instinktlosigkeit gemischt, lauteten die Fehlurteile auf der rechten Seite. Die ideologischen Überschneidungen mit der braunen Massenbewegung, die vermeintlichen Gemeinsamkeiten im Nationalen, die Wendung hier wie da gegen Demokratie und Marxismus machten viele glauben, in Hitler nur dem eigenen, wenn auch ins Radikale verzerrten Abbild zu begegnen.“[5]
• „Auf ebenso undramatische Weise vollzog sich das Ende der traditionsreichen Sozialdemokratischen Partei. ‚Es wird ein Signal gegeben werden’, hatte der Vorstand den ungeduldig drängenden Anhang zunächst beruhigt. Aber mehr und mehr stellte sich heraus, daß niemand zu sagen wusste, woher dieses Signal kommen und in welche Richtung es weisen sollte. Weder auf den Machtwechsel selber noch auf die Taktik Hitlers hatte die Führung eine Antwort, und viel eher als im intellektuellen Bereich, aus dem das Wort stammte, trat die Wahrheit zutage, daß den Gegnern Hitlers zu ihm nichts einfiel. Die ganze Ratlosigkeit des Vorstandes der Partei geht schon daraus hervor, daß ein Teil seiner Mitglieder, befangen in den alten Theorien vom Klassenkampf, Hugenberg als den wirklichen Feind und Widersacher ansah, Hitler dagegen nur noch als dessen Strohmann und ‚Agenten der Reaktion’. Den noch geraume Zeit von vielen Seiten geforderten Widerstandsaktionen begegnete die Führung schließlich mit nichts anderem als beschwichtigenden Dementis und der Beschwörung, jener Verfassung, deren Zerstörung längst vor aller Augen im Gange war. In der schon am 30. Januar und dann ständig aufs neue wiederholten Versicherung, daß die Partei den ersten Schritt vom Boden der Gesetze nicht tun werde, klang zwar die Drohung mit, sich gegebenenfalls zur Wehr zu setzen; aber solche Andeutungen waren viel zu kleinlaut für Hitlers Ohren. Sie weckten nicht einmal seinen Hohn. Denn sie verbargen allzu notdürftig die Kapitulationsbereitschaft der Parteispitze und wirkten daher vor allem auf die eigenen Unterorganisationen. Sie hatten demoralisierende Folgen. Schon im Februar und März 1933 kam es, teils aus Angst, teils aus Resignation oder auch Enttäuschung, zu den ersten Austrittswellen; im Mai lösten sich zahlreiche Ortsvereine freiwillig auf und nahmen damit, verwirrt und allein gelassen, nur das am 22. Juni verhängte Verbot der Partei vorweg.[6]
• „Nicht viel anders und womöglich noch kläglicher vollzog sich das Ende der machtvollen Gewerkschaften. In dem Bestreben, ihren ‚Einfluß auf die Gestaltung des sozialen Lebens’, aber auch die Gewerkschaftshäuser, Heime und Fürsorgeeinrichtungen zu retten, war ihre Führung Ende Februar bereits von der SPD-Linie des prinzipiellen Gegensatzes des neuen Regimes abgerückt. Seit März hatte sie immer neue Signale des Wohlverhaltens an die Adresse der Machthaber ausgeschickt und sogar eine Art Loyalitätsversicherung abgegeben, obwohl sich im ganzen Land die Verhaftungen und Drangsalierungen ihrer führenden Mitglieder häuften. Doch wie immer witterte Hitler, statt sich besänftigen zu lassen, hinter solchen Gesten nur die Schwäche, deren Ausdruck sie tatsächlich waren. Wie zutreffend ihn sein Instinkt geleitet hatte, offenbarte ihm kurze Zeit die Gewerkschaftsführung selbst. Denn als er sich deren alte, auch von der Weimarer Republik nicht verwirklichte Forderung zu eigen machte und den 1. Mai zum nationalen Feiertag erklärte, rief sie ihre Mitglieder zur Teilnahme an den Demonstrationen auf. Unter Hakenkreuzfahnen zogen daraufhin die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter und Angestellten in den Festumzügen mit und hörten erbittert, aber zum Beifall gezwungen, die Reden ihrer triumphierenden Gegner an: Nichts hat so wie diese demütigende Erfahrung den Widerstandswillen der Millionenbewegung gebrochen. Schon einen Tag später wurden die Gewerkschaftshäuser besetzt, die Vermögensgegenstände eingezogen und die Mitglieder in die neugegründete ‚Deutsche Arbeitsfront’ überführt.“[7]
• „Fast lautlos, in einer Atmosphäre des stummen Terrors, des Rückzugs in den Untergrund sowie der opportunistischen Überläuferei vollzog sich die Zertrümmerung der Kommunistischen Partei. Bis an die Schwelle der neuen Zeit war sie als der mächtige Gegenspieler nicht nur der Hitlerpartei, sondern der bestehenden Ordnung überhaupt vertreten. Von den Schrecken, die sie verbreitete, hatte der Nationalsozialismus psychologisch gelebt und sich von ihren katastrophischen Prophezeiungen die bürgerlichen Massen zutreiben lassen. Infolgedessen war auch das Bild des ‚Retters’, das Hitler sich auszumalen liebte, von der Idee einer großen Auseinandersetzung, die er jetzt mit staatlichen Machtmitteln begann, als eine Art Vorspiel zu jenem welthistorischen Endkampf, zu dem er aufgebrochen war. Doch stellte auch dieser Gegner sich nicht. Rosa Luxemburgs Frage von 1918, ‚Wo bleibt das deutsche Proletariat?’, blieb wiederum ohne Antwort. Unbeeindruckt von der augenblicklich einsetzenden Verfolgung, von Flucht und Massendesertation, und versteinert in ihren ideologischen Prämissen, hielt die Partei daran fest, daß ihr eigentlicher Widersacher die Sozialdemokratie, ein Unterschied zwischen Faschismus und parlamentarischem System nicht zu erkennen und Hitler lediglich die Gliederpuppe machtvoller Hintergrundinteressen sei. Noch eine Resolution des Exekutivkomitees der Komintern vom 1. April 1933 beharrte in dogmatischer Starre darauf, daß Hitler früher oder später dem Kommunismus die Tore zur Alleinherrschaft öffnen werde. ‚Danach kommen wir!’ lautete die Parole jener Wochen, oder: ‚Hitler regiert – aber der Kommunismus marschiert!’ Und selbst im Sommer 1934 hatte die Partei sich noch immer nicht aus ihren Verranntheiten gelöst und die Auffassung vertreten, daß es darauf ankomme, vor allem die Sozialdemokratie ‚noch stärker als bisher unter Feuer zu nehmen’. Sie hat ihre Verblendung teuer bezahlt. Ohne ein Zeihen des Widerstandes, ohne eine Tat und ohne ein letztes Signal trat die Partei von der politischen Bühne ab. Ihre Funktionäre wurden verhaftet und ihre Organisationen zerschlagen. Wer davonkam, rettete sich in die Illegalität, mancher auch in eine namenlose Konspiration von selten mehr als lokalem Charakter. Zwar ist es richtig, daß die Kommunisten lange vor allen anderen Gegnern militärischer, kirchlicher oder konservativer Herkunft einen opferreichen Widerstand geleistet haben. Aber die Vereinzelung, in die sie sich begeben hatten und aus er sie nie herausfanden, sowie die Ohnmacht, die nahezu alle Erinnerungen an diesen ‚lautlosen Aufstand’ verschüttet hat, gingen auf die Partei selbst zurück.“[8]
• „Mit dem Ende der linken Parteien und der Gewerkschaften ging insbesondere der Arbeiterschaft jeder organisatorische Rückhalt verloren. Wer dennoch zum Widerstand entschlossen war, war auf sich selber oder den Umkreis enger Freunde angewiesen. Die Mitglieder der Führung waren teils in Haft, teils zogen sie sich ins Private zurück, einige tauchten unter, die Mehrzahl verließ das Land und ging ins Exil. Von dort aus richteten sie weiterhin Botschaften an die Zurückgebliebenen, ermutigten, rieten, halfen – und mußten bald erkennen, daß sie umgekehrt auch keinen Rückhalt bei dem Anhang von ehedem mehr besaßen. Denn die Beseitigung der Arbeitslosigkeit, die erfolgreiche Ankurbelung der Wirtschaft und die sozialen Programme der neuen Männer schufen Gefühle der Zufriedenheit, sogar des Stolzes und führten dazu, daß die sozialistischen Erinnerungen, enttäuschend wie sie gegen Ende überdies gewesen waren, mit einem Mal weit zurücklagen. Wie selbstsicher das Regime sich fühlte, geht nicht zuletzt daraus hervor, daß es 1937/38 drei einst populäre Arbeiterführer, Julius Leber, Carlo Mierendorff und den stellvertretenden Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Wilhelm Leuschner, aus den Lagern entließ. Kampflos wie die Sozialdemokratie, die Kommunisten oder auch die Deutschnationalen, in Kleinmut und Selbstunterwerfung, endeten alle Gruppierungen auf politischem Feld: die übrigen Parteien, die Verbände, Kammern sowie die nicht selten traditionsstolzen bürgerlichen Vereinigungen.“[9]
• „Nicht anders als den politischen Gruppierungen erging es schließlich den Kampfverbänden der Parteien, den freien Jugendbünden, den Universitäten oder wem auch immer auch: Überall erfolgten Auflösung oder Gleichschaltung ohne ein Zeichen erkennbarer Gegenwehr. Aller vereinzelt sich meldende Wille zur Selbstbehauptung ging in ungezählten Bedenken, Beschwichtigungsmanövern oder legalistisch verbrämten Ängstlichkeiten unter. Die ganze aufdringliche NS-Methaphorik, für die insbesondere Goebbels immer neue Bilder erfand: mit all den Stürmen, die über Deutschland hinwegbrausten, den abgelaufenen Uhren oder den Gesichtern, die sich ins Morgenrot hoben, war ästhetisch so peinigend wie sachlich zutreffend. Im Fieber weniger Wochen war eine vielgestaltige Gesellschaft mit ihren unübersehbaren Macht- und Einflusszentren, ihren unabhängigen Institutionen, autonomen Körperschaften und Freiräumen zu ‚reiner, gleichmäßiger gehorsamer Asche’ verbrannt. Mit einem Katalog von Gesetzen, dessen wichtigstes die NSDAP zur einzigen politischen Partei erklärte, wurde der Prozeß der Gleichschaltung am 14. Juli 1933 abgeschlossen.“[10]
Baader war kein Phantast, er war ein – unabhängig von der Beschäftigung mit der der Politik ohnehin nahe stehenden Disziplin der Arbeitsmedizin – sicher (auch) politisch denkender Mensch. Wenngleich er nach Herkommen und Tradition dem Kaiserreich verbunden war, so waren doch die Grundlagen seines beruflichen Erfolges und seines Kampfes zum Wohle der Arbeiterschaft in der Zeit der Weimarer Republik zu sehen. Diese Republik, aufgerieben in der Weltwirtschaftskrise und in der seit 1930 im Wesentlichen durch Präsidialkabinette mit Notverordnungen und ohne parlamentarische Legitimation regiert, hatte der neuen Macht 1933 nicht mehr Inhaltvolles entgegen zu setzen. Die Institutionen und Organisationen, die staatlichen Repräsentanten, die oft nur reserviert der eigenen Staatsform gegenüber standen, gingen im Sog des aufgehenden nationalsozialistischen Staates auf.[11] Geschickt verstanden es die neuen Machthaber, sich weit über die im Kern noch gültige Verfassung noch mehr Macht anzueignen.
Mit den besonderen Befugnissen, die der nationalsozialistischen geführten Regierung durch die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat. Vom 28. Feb. 1933“ erteilt worden waren, stand ein Terrorinstrument gegen alle politischen Gegner zur Verfügung.
• § 1: ... Es sind ... Beschränkungen der persönlichen Freiheit, des Rechts der freien Meinungsäußerung, einschließlich der Pressefreiheit, des Vereins- und Versammlungsrechts, Eingriffe in das Brief-, Post-, Telegraphen- und Fernsprechgeheimnis, Anordnungen von Haussuchungen und von Beschlagnahmen sowie Beschränkungen des Eigentums auch außerhalb der sonst hierfür bestimmten gesetzlichen Grenzen zulässig“ (RGBl. I. 1933, S. 83).
Es empfahl sich für den Einzelnen nur bei grundsätzlicher Bereitschaft zum Märtyrertum, öffentlich gegen die Vorgaben der Regierung aufzutreten, zumal die gesellschaftlich-demokratischen Kräfte, die die Republik vormals ausgemacht und geprägt hatten, so verzagt und so klaglos die Waffen streckten.
Mit dem „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich. Vom 24. März 1933“ kapitulierte das bis dahin noch dem Grunde nach bestehende parlamentarische System vollends. Der Regierung wurde das Recht der Gesetzesinitiative zugestanden; Exekutive und Legislative wurden eins:
Art. 1
Reichsgesetze können außer in dem in der Reichsverfassung vorgesehenen Verfahren auch durch die Reichsregierung beschlossen werden....
Art. 2
Die von der Reichsregierung beschlossenen Gesetze können von der Reichsverfassung abweichen, .... die Rechte des Reichspräsidenten bleiben unberührt.
Art. 3
Die von der Reichsregierung beschlossenen Reichsgesetze werden vom Reichskanzler ausgefertigt und im Reichsgesetzblatt verkündet...“ (RGBl. I 24. März 1933, S. 141).
Dem Machtkalkül folgend machte die Regierung von diesem Ermächtigungsgesetz rücksichtslos Gebrauch. Bereits wenige Tage später, nämlich am 7. April 1933 folgte ein weiteres Gesetz, das den Nationalsozialisten die Handhabe bot, Gegner aus Behörden zu entfernen und die noch im Amt verbleibenden völlig zu destabilisieren.
Mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Vom 7. April 1933“ wurde den nationalsozialistischen Machthaber ein Instrument gereicht, sich der Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes zu entledigen, die erst nach 1918 in ihre Position gekommen waren, meist ohne das Selektionssystem des kaiserlichen Berufsbeamtentums durchlaufen zu haben.
Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:
§ 1 (1)
Zur Wiederherstellung eines nationalen Berufsbeamtentums und zur Vereinfachung der Verwaltung können Beamte nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen aus dem Amt entlassen werden, auch wenn die nach dem geltenden Recht hierfür erforderlichen Voraussetzungen nicht vorliegen.
§ 2 (1)
Beamte, die seit dem 9. November 1918 in das Beamtenverhältnis eingetreten sind, ohne die für ihre Laufbahn vorgeschriebene oder übliche Vorbildung oder sonstige Eignung zu besitzen, sind aus dem Dienst zu entlassen. Auf die Dauer von drei Monaten nach der Entlassung werden ihnen ihre bisherigen Bezüge belassen.
§ 2 (2)
Ein Anspruch auf Wartegeld, Ruhegeld oder Hinterbliebenenversorgung und auf Weiterführung der Amtsbezeichnung, des Titels, der Dienstkleidung und der Dienstabzeichen steht ihnen nicht zu.
§ 3 (1)
Beamte, die nicht arischer Abstammung sind, sind in den Ruhestand (§§ 8 ff.) zu versetzen; soweit es sich um Ehrenbeamte handelt, sind sie aus dem Amtsverhältnis zu entlassen.
§ 3 (2)
Abs. 1 gilt nicht für Beamte, die bereits seit dem 1. August 1914 Beamte gewesen sind oder die im Weltkrieg an der Front für das Deutsche Reich oder für seine Verbündeten gekämpft haben oder deren Väter oder Söhne im Weltkrieg gefallen sind. Weitere Ausnahmen können der Reichsminister des Inneren im Einvernehmen mit dem zuständigen Fachminister oder die obersten Landesbehörden für Beamte im Ausland zulassen.
§ 4
Beamte, die nach ihrer bisherigen politischen Betätigung nicht die Gewähr dafür bieten, daß sie jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten, können aus dem Dienst entlassen werden. Auf die Dauer von drei Monaten nach der Entlassung werden ihnen ihre bisherigen Bezüge belassen. Von dieser Zeit an erhalten sie drei Viertel des Ruhegeldes (§ 8) und entsprechende Hinterbliebenenversorgung.
Baader wusste was er tat, als er um Mitgliedschaft in die NSDAP nachsuchte. Er war durch und durch Realist und um seine damaligen Schritte nachvollziehen zu können, muß in diesem Zusammenhang auf die Ausführungen eines Zeitzeugen, nämlich seines langjährigen Mitarbeiters Prof. Dr. Hans Joachim Symanski, dem späteren Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und nachmaligem Direktor des Instituts für Arbeitsmedizin der Saarlanduniversität Saarbrücken, verwiesen werden:
„Weiß Gott, die Zeiten sind auch wirklich kontrastreich verlaufen, und Baader verstand, sich auf den Boden der Tatsachen zu stellen, wo es auch immer gewesen sei. 1933 erzählte er uns vertraulich, wir müßten damit rechnen, daß das neue Regime mindestens 50 Jahre existieren würde; er riet daher jedem von uns, irgendeiner Organisation beizutreten, einen militärischen Grad zu erwerben usw. Er selbst hat aber gleichzeitig insgeheim in seiner pazifistischen Gesinnung jüdischen Mitarbeitern die sofortige Flucht ins Ausland bei Nacht und Nebel ermöglicht und ihnen damit das Leben gerettet, was ihm später bei der sogenannten Entnazifizierung seine sofortige Rehabilitation ermöglichte, obwohl bei oberflächlicher Betrachtung vielen diese Tatsache bei seiner äußeren Anpassung an das Dritte Reich anfangs widerspruchsvoll erschienen war. Ich berichte dies aus meiner Kenntnis der damaligen Verhältnisse, wo ich von 1931 bis 1937 Assistenzarzt und stellvertretender Oberarzt in der von Baader 1925 gegründeten Abteilung für innere Medizin und Gewerbekrankheiten des Auguste-Viktoria-Krankenhauses in Berlin-Lichtenberg und anschließend an dem Universitätsinstitut für Berufskrankheiten in Berlin-Neukölln gewesen war.“[12]
Baader zog in den Monaten nach der Machtergreifung Adolf Hitlers eine Konsequenz. Diese Konsequenz basierte auf der Entrechtung breiter Kreise der Bevölkerung, dem kampflosen Untergang der Weimarer Republik und der durch die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Feb. 1933“ ermöglichtenBeschränkungen der persönlichen Freiheit, des Rechts der freien Meinungsäußerung, einschließlich der Pressefreiheit, des Vereins- und Versammlungsrechts, der gesetzlich vorgesehenen Eingriffe in das Brief-, Post-, Telegraphen- und Fernsprechgeheimnis, der Möglichkeit der Anordnungen von Haussuchungen und von Beschlagnahmen sowie Beschränkungen des Eigentums auch außerhalb der sonst hierfür bestimmten gesetzlichen Grenzen.
Es ist ein Leichtes, aus dem heutigen Wissen heraus Handlungen zu verurteilen oder diese im Nachhinein positiv zu überhöhen. Man wird aber aus Kenntnis der Dinge mit Sicherheit sagen können, dass Baader der NSDAP wohl nicht beigetreten wäre, hätte er Wissen und Kenntnis darüber erlangen können, in welchem Ausmaß das sog. III. Reich Verbrechen über die Menschheit bringen würde.
Diese Überlegung ist aber genauso spekulativ, wie die Versuche posthumer Kritiker, Baader für die Verbrechen des Regimes verantwortlich zu machen oder ihm hier eine Mitschuld zu unterstellen. Er brachte sicher keine Bereitschaft zum Märtyrertum durch offene Opposition mit. Wer ihm dies zum Vorwurf machen will, soll sich fragen, ob er selbst zum Helden geboren wäre. Baader blieb aber auch nicht unkritisch und versuchte, selbst lauter zu bleiben – und nahm dafür auch kleinere Konfrontationen mit der Partei und dadurch letztlich das „politische Abstellgleis“ in Kauf, wie Quellen eindeutig belegen. Sie werden hier noch angeführt. Wer dies aber in der Gesamtbewertung unterschlägt, und sich allein auf das Fehlen aktiven Widerstands beruft, um aus Baader einen glühenden Nationalsozialisten zu machen, entlarvt selbst seine ideologische Verblendung.
Der Historiker Götz Aly fordert bei der Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus die unbedingte Einbeziehung der ungezählten „Vorteile für die Millionen einfacher Deutscher“ ein.[13] Dementsprechend wäre die Frage auch in Bezug auf Baader zu stellen, wobei im Vorfeld noch auf eine Tatsache hingewiesen werden müsste, nämlich auf die hohe Affinität der deutschen Ärzteschaft zur Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, die erstaunlicherweise diejenige deutscher Juristen oder der Lehrer bei weitem übertraf.[14] „Viele Jahrzehnte galt nach Kriegsende die These, nur eine Minderheit der deutschen Ärzte habe sich dem Nationalsozialismus zugewandt. Der kanadische Historiker Michael H. Kater widerlegte bereits 1997 diese These: Seine Auswertung der Reichsärztekartei auf der Grundlage einer 4.177 Karteikarten umfassenden Stichprobe ergab, dass rund 45 Prozent der deutschen Ärzte zum Ende der NS-Zeit Mitglied in der NSDAP waren.“[15] Hinzu kommt, dass aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums – hauptsächlich wegen des ‚Arierparagraphen’ eine große, aber nicht näher bekannte Zahl von Ärzten und Ärztinnen an Universitäten, staatlichen und städtischen Krankenhäusern, Gesundheitsämtern usw. entlassen wurde. „Die Verordnung des Reichsarbeitsministeriums vom 22. April 1933 erklärte die ‚Tätigkeit von Kassenärzten, die sich im kommunistischen Sinne betätigt haben’, für beendet und verbot die Neuzulassung solcher Ärzte. Bei der Aufstellung der Listen für die Ausschüsse verfuhren die Kassenärztliche Vereinigungen teilweise überaus leichtfertig, vor allem beim Vorwurf der kommunistischen Betätigung. Gut die Hälfte der Ausgeschlossenen erhob Einspruch; das Arbeitsministerium, das bemüht war, die Vorschriften nicht zuungunsten der Betroffenen auszulegen, erklärte sich mit den Ausschlüssen erstaunlich oft nicht einverstanden und hob in 29 Prozent der Fälle den Ausschluss wegen nichtarischer Abstammung und sogar in 69 Prozent wegen angeblicher kommunistischer Betätigung wieder auf. Dennoch verloren bis zum Frühjahr 1934 2000 Ärzte und Ärztinnen, überwiegend wegen nichtarischer Abstammung, definitiv die Kassenzulassung. Viele von ihnen wurden dadurch zur Aufgabe der Praxis gezwungen, zumal auch die meisten Ersatzkassen und privaten Versicherungen jüdische Ärzte – außer bei jüdischen Patienten – von der Erstattung ausschlossen. Die freigewordenen Kassenarztstellen erhielten bevorzugt parteitreue Jungärzte.“[16]
So man überhaupt auf einen „Vorteil“ Baaders abzielen möchte, dann wäre die Frage aufzuwerfen, ob ihm die Parteimitgliedschaft beruflich mehr genützt als geschadet hat. Die einfach strukturierten Kritiker[17] gehen hier negativ wertend von der Tatsache aus, dass Baader 1933 mit der Ärztlichen Leitung des seinerzeitigen Großkrankenhauses Neukölln betraut wurde. Hier lohnt es sich wieder – allen Unterstellungen zum Trotz – einen Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen, der die Auswirkungen des nationalsozialistischen Berufsverbotes für jüdische Ärzte deutlich kennzeichnete: „Mit welcher Brutalität sich die Revolution 1933 vollzog, zeigt sich zum Beispiel darin, daß in einem Tausendbetten-Krankenhaus, in welches wir dann verzogen waren, von 50 dort tätigen Ärzten aus so genannten rassisch-völkischen Gründen nur noch zwei Ärzte geblieben waren.“[18]
Geistig noch einfacher strukturierte Gemüter[19] meinen zu glauben, dass Baader seine spätere Chefarzt-Stelle im Neuköllner Krankenhaus nur durch das Berufsverbot für jüdische Ärzte erlangen konnte, nicht jedoch aus Gründen wissenschaftlicher Reputation. Diese These ist angesichts der Leistungen Baaders, vornehmlich seines schon in der Zeit der Weimarer Republik bekannten wissenschaftlich national und international ausgewiesenen Renommees, haltlos und eindeutig ideologisch motiviert.
• „Damals, 1925, entstand die 1. Berufskrankheitenverordnung. Baader, ursprünglich pädiatrisch interessiert, ließ sich in feiner Witterung für das Aktuelle zum Chefarzt der Inneren Abteilung des Auguste-Viktoria-Krankenhauses im Osten von Berlin inmitten einer hoch industrialisierten Region ernennen, in welcher bald neben einem ambulanten Krankengut die Berufskrankheiten wachsend an Bedeutung zunahmen. Es war in der Tat so, daß damals die gewerbliche Bleivergiftung, die wichtigste und häufigste Berufskrankheit war und klinische Erfahrungen gesammelt werden konnten, die unschlagbar waren, welche fortgeschleppte Falschmeinungen beseitigten und so richtige Schlussfolgerungen daraus gezogen werden konnten. Dazu kamen in zunehmenden Maße chemische Vergiftungen aller Art, Erkrankungen durch Mangan, Cadmium, Chlorkohlenwasserstoff, Isozyanate, Asbestosen, Berufskrebse usw. Dies war in der damaligen Viermillionenstadt, der größten Industriestadt des Reiches in den zwanziger Jahren und in den Jahren vor dem Kriege der Fall und aus ganz Deutschland wurden uns Fälle zur Begutachtung zugesandt. Man könnte es daher nicht als übertrieben bezeichnen, wenn Baader jedem erzählte, daß er Tausende von Fällen von Bleivergiftungen gesehen, behandelt und begutachtet hat, zumal er sich mit den Berufsgenossenschaften glänzende Verbindungen geschaffen hatte. Durch diese ungeheuren klinischen Erfahrungen aus ganz Deutschland war er unschlagbar. Auch die Silikose der verschiedensten Ätiologien vermehrte das interessante Krankengut mehr und mehr. Die damals noch häufigen chronischen Manganvergiftungen habe ich dort auch alle persönlich zu sehen bekommen. Baader schuf, unterstützt durch fleißige Mitarbeiter eine arbeitsmedizinische Sammlung, teilweise bestückt durch Kuriositäten aller Art, die er in ebenso interessanter wie witziger Weise seinen Besuchern demonstrierte. Ständig wurde gemalt, gezeichnet, gefilmt und beobachtet, und oft Fälle in der Berliner Medizinischen Gesellschaft vorgestellt, zu deren Verhandlungen wir ab und zu gingen und berühmte Ärzte dort erlebten, wie Goldscheider, Ernst von Bergmann, Bier u. Sauerbruch. Baader ließ auch Fabrikbesichtigungen durchführen und ich besuchte z.B. auch einen Gas-Schutz-Kursus in Berlin-Oranienburg, der mir eine für einen Arbeitsmediziner unentbehrliche Grundlage für den Atemschutz vermittelte, worin wir Arbeitsmediziner ja allen unseren Ärztekollegen überlegen sind. Auf diese Weise kam es zustande, daß in zunehmenden Maße Besucher deutscher und ausländischer Provenienz aus der ganzen Welt uns besuchten und Baader wirklich zum Weltexperten für Berufskrankheiten geworden war. Die von Baader ins Leben gerufenen internationalen Fortbildungskurse für Berufskrankheiten in den dreissiger Jahren in Berlin brachten ständig neue ausländische Besucher aus aller Welt ins Institut.“[20]
Was also bleibt? Hat sich der Parteieintritt für Baader ausgezahlt oder stellte die Parteizugehörigkeit für Baader eher ein Manko dar?
E. W. Baader war bekanntermaßen kein Mensch, der Gleichmacherei schätzte und plumpe Vertraulichkeit zuließ. Zu sehr legte er als Sohn eines Preußischen Kommerzienrates Wert auf die Herkunft; das aus dem Fabrikantenhaushalt überkommene Vermögen ermöglichte ihm eine materielle Unabhängigkeit. Das schienen per se nicht die besten Grundvoraussetzungen für eine Karriere in einer Arbeiterpartei darzustellen.
Es konnte also nicht ausbleiben, dass er im Staatsapparat und in der Partei zunehmend aneckte, zumal er sich auch noch merklich den Begehrlichkeiten der Partei verschloss: Den heutigen Spekulationen vorbeugend, soll hier wiederum ein Zeitzeuge, nämlich der Facharzt für Innere Krankheiten und nachmalige Chefarzt des Krankenhauses Baumschulenweg Berlin, Dr. med. Otto Schulz zu Wort kommen, der unter dem Datum des 23.2.1947 erklärte:
Zusammenfassung:
Baader wurde ausweislich der "Parteistatistischen Erhebung 1939" (die übrigens nicht mal er persönlich – wie dies verpflichtend von jedem Parteigenossen verlangt gewesen wäre – , sondern der ‚Zellenleiter’ für Baader ausfüllte) am 1.5.1933 in die NSDAP aufgenommen, ohne sich in dieser in irgendeiner Weise besonders hervorgetan zu haben. Er hatte weder das goldene Ehrenzeichen noch den Blutorden, geschweige denn andere Meriten in der Partei erworben. Mitgliedschaften der gleichgeschalteten Organisationseinheiten bestanden berufsbedingt im NS-Dozentenbund, im NSD-Ärztebund und im Roten Kreuz sowie im alten Kolonialbund (der im Übrigen 1943 aufgelöst wurde).
Baader hat sich - dies wird aus einem Schreiben der Gauleitung Groß Berlin der NSDAP - Gau-Personalamt vom 1.9.1936 – zur politische Beurteilung an den Rektor der Friedrich-Wilhelms-Universität deutlich – schon früh mit der Partei überworfen. [22] Nach Ansicht der Partei sollte ihm die Teilnahme an der von dem Präsidenten der Schweizer Gesellschaft für Unfallheilkunde und Berufskrankheiten zur Teilnahme an einer Tagung im Oktober d. J. in Lausanne versagt werden.
Wörtlich heißt es hier:
• "Dr. Baader trat im Febr. 1933 der NSDAP als Mitglied bei. Bei den jetzigen Ermittlungen konnten wir feststellen, daß er bei der Belegschaft des Krankenhauses in Neukölln allgemein keinen guten Ruf besitzt. Minderbemittelten Volksgenossen gegenüber erwidert er den Deutschen Gruß nicht und trägt ein überhebliches und abfälliges Wesen zur Schau. Im August erregte der Parteigenosse Dr. Baader in seiner Eigenschaft als Leiter der Abteilung des im obigen Krankenhause untergebrachten Universitäts-Instituts für Berufskrankheiten bei den Parteigenossen und Volksgenossen Anstoß, daß er Sowjetrussischen Juden, mit denen er beim Internationalen Kongress für Berufskrankheiten in Brüssel bekannt geworden war, die Einrichtungen des Neuköllner Krankenhauses zeigte und zwar, wie festgestellt, ohne den dafür zuständigen Bezirksbürgermeister zu benachrichtigen. Der Parteigenosse Dr. Baader hat sich auf darauf erfolgte Angriffe damit verteidigt, daß er die Zustimmung des Propaganda-Ministeriums eingeholt habe. Weiter ist hier bekannt geworden, daß er sich von einem Juden Neumann einen Wagen hat stellen lassen, den dieser Jude selbst als Chauffeur gefahren hat. Als die Angelegenheit ans Tageslicht kam, hat er sich damit entschuldigt, daß er nicht gewußt hätte, dass N. Jude gewesen sei, da er sich ihm gegenüber als S.A.-Mann ausgegeben habe. Nach Aussagen des für das Krankenhaus zuständigen Sektionsleiters ist bisher nicht beobachtet worden, daß der Parteigenosse Dr. Baader auch nur ein entferntes nationalsozialistisches Verhalten an den Tag gelegt hat. Für das Auftreten und seine Arbeit im Krankenhaus versteht er es, genügende Propaganda für sich auch die Presse zu machen. Unter diesen Umständen bitten wir, den Parteigenossen Dr. Baader die Genehmigung zur Teilnahme an der in Lausanne stattfindenden Tagung nicht erteilen zu wollen."
In einem weiteren Schreiben des NSD-Dozentenbund – Reichsdozentenführer an den Staatsminister Dr. Wacker [23] – Reichserziehungsministerium – vom Juli 1938 heißt es abschließend:
• "Zusammenfassend halte ich Herrn B. für eine Hochschullehrerstellung nach oben Gesagtem für ungeeignet. Leider hat man keinen Ersatz für ihn auf seinem engeren Gebiet der Berufskrankheiten." [24]
Unter dem Datum des 28. Juli 1939 schreibt der NS-Dozentenführer der Friedrich-Wilhelms-Universität an den Rektor der Universität:
• "Nach den mir vorliegenden Unterlagen über Prof. Dr. Ernst W. Baader habe ich keine Veranlassung, mich für ihn einzusetzen. Wenn ich trotzdem gegen seine Übernahme als außerplanmäßiger Professor keine Einwendungen geltend mache, so geschieht es allein deswegen, weil er als Vertreter der Berufskrankheiten fachlich zur Zeit wohl nicht zu entbehren ist." [25]
Also: "Ein glühender Nationalsozialist" – wie dies in ideologisch geprägten, wissenschaftlicher Akkuratheit aber entbehrenden Einordnungen der jüngeren Zeit von wohl etwas einfach gestrickten Kritikern behauptet wird – sieht doch eigentlich anders aus.
Baader trat 1933 in die NSDAP ein; über die Motive die zu dem Eintritt führten, kann im Einzelnen anhand der Einlassungen von Zeitzeugen spekuliert werden. Inwieweit der „Parteigenosse Baader“ ab 1933 bis zum Eintritt in den überhaupt noch die Parteilinie vertrat, wird durch einen weiteren Zeitzeugen verdeutlicht:
Die belastete Beziehung Baaders zur NSDAP kam 1939 mit Einberufung Baaders zum Wehrdienst endgültig zum Erliegen. Entsprechend § 26 des am 21. 5. 1935 erlassenen Wehrgesetzes war es Soldaten untersagt sich politisch zu betätigen; die Zugehörigkeit zur NSDAP ruhte, wie auch das Wahlrecht für die Dauer des Wehrdienstes; Mitgliedschaften in allen Vereinigungen bedurften der Genehmigung des Vorgesetzen. Auch ruhte die Pflicht zu Zahlung von Parteibeiträgen für die Dauer des aktiven Wehrdienstes.[27] Mit Vorrücken der alliierten Front gelang es Baader im Spätsommer 1944 einen letzten Abtransport von 1.300 Verwundteten aus dem Kriegslazarett Brüssel zu organisieren. In der Heimat trat Baader in den Dienst einer Heeres-Sanitätsabteilung und wurde nach kurzer amerikanischer Kriegsgefangenschaft und erfolgreichem Ausgang der im November 1945 eingeleiteten politischen Überprüfung durch die britische Militärregierung in Hamm/Westfalen zum 1.4.1946 zum Chefarzt der Inneren Abteilung des Knappschaftskrankenhauses Hamm berufen.
Mit Schreiben vom 4.2.1947 beantragte er vor der Spruchkammer im Zusammenhang mit einem geplanten Kuraufenthalt ein militärisches Ausreise-Permit zur Reise in die Schweiz.
In Folge seines Antrages entschied die Spruchkammer am 10.12.1947 wie folgt:
Zum gender-Begriff siehe ausführlich: Ulrich Kutschera, Das Gender-Paradoxon – Mann und Frau als evolvierte Menschentypen. Reihe: Science and Religion. Naturwissenschaft und Glaube Bd. 13, 2016.: „Sex und Gender sind Schlüsselbegriffe der Evolutionsbiologie. Sie werden jedoch zur Verbreitung einer radikal-feministischen "Geschlechter-Theorie" bzw. der Politikagenda des ‚Gender Mainstreaming’ (GM), eine ‚Frau-gleich-Mann-Ideologie’, sinnentstellend verwendet. Der Autor legt dar, dass GM bzw. die soziologischen ‚Gender Studies’ auf die Irrlehren des pädophilen US-Psycho-Erziehers John Money (1921 - 2006) zurückführbar sind. Dieser Moneyismus wird den Erkenntnissen der Geschlechtergerechten Biomedizin (GB) gegenübergestellt, die auf den evolutionär herausgebildeten Unterschieden zwischen Mann und Frau basiert und 2015 zur Etablierung eines neuen Ganzkörper XY- bzw. XX-Menschenbildes geführt hat.“ Das geschichtliche Abläufe in das Korsett des ‚Gender Mainstreaming’ gepresst werden können (aus der Sicht der Überzeugten sogar gepresst werden müssen), zeigt eines der schönsten Beispiele aus jüngster Zeit, das zum Gegenstand einer ausführlichen Kritik durch Ruth Bettina Birn und Volker Riess in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 7.7.2016 – veröffentlicht FAZ- Feuilleton Samstag, den 9. Juli 2016 – geworden ist: „Frauen im Nationalsozialismus - Sex, Crime und Frauen im Völkermord. Der Holocaust wird neuerdings als Projektionsfläche für die Gender Studies genutzt – mit fragwürdigen Befunden. Ein Einspruch: „Wendy Lower nimmt in ihrem Buch „Hitlers Helferinnen. Deutsche Frauen im Holocaust“ (zuletzt 2016) eine Zusammenschau von Holocaust und Gender Studies vor. Das Werk liegt in fünf weiteren Sprachen vor, die Bundeszentrale für politische Bildung vertreibt es. Wendy Lower sieht die Beteiligung von deutschen Frauen am Holocaust als bedeutend an. Sie vertritt darüber hinaus zwei weitere Thesen: dass es eine Verbindung von „sexueller Intimität und Gewalt“ bei Holocaust-Tätern und -Täterinnen gegeben habe – und dass der massenhafte Einsatz von Frauen im deutsch besetzten Osten Teil einer revolutionären Mobilisierung gewesen sei, die zum sozialen Aufstieg und zur gesellschaftlichen Teilhabe geführt habe.....“ „....Einer kritischen Überprüfung der Quellenbasis hält das Buch nicht stand. Auch die NSDAP war männlich bestimmt. Es gab zwar Unterorganisationen für Frauen, aber keine Frauen in der Führungsspitze der Partei. An diesen Fakten vermögen auch die Interessen von Gender Studies und ein angeblich innovatives Buch nicht zu rütteln.“ Es lohnt sich unbedingt den ganzen Artikel zu lesen: Joachim Fest, Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli, Berlin 1994, S. 13-14. Fest, a.a.O., S. 16 f. Fest, a.a.O, S. 26 f. Fest, a.a.O, S. 27 ff. Fest, a.a.O., S.33 f. Fest, a.a.O., S. 34. Fest, a.a.O., S. 34 f. Fest, a.a.O., S. 36. Fest, a.a.O., S. 38. Hajo Funke, Warum war Hitler am Ende der Weimarer Republik erfolgreich“, in: https://hajofunke.wordpress.com/2013/01/29/hajo-funke-warum-war-hitler-am-ende-der-weimarer-republik-erfolgreich/ - Zugriff: 20.2.2016:
„Die kurze Zeit der Weimarer Koalition. So verblieben in der Mitte diejenigen, die die Weimarer Republik verteidigten, Sozialdemokraten, geschwächt durch ihre Abspaltung nach links, das autoritäre, keineswegs wirklich republikanische Zentrum und kleine liberale Parteien wie die DDP – die erste Weimarer Koalition. Sie hatte zwar eine Dreiviertelmehrheit im ersten Reichstag, aber bald nach Außen wie nach Innen mit schwerwiegenden ökonomischen Restriktionen ebenso wie mit außenpolitischen und innenpolitischen Verwerfungen zu kämpfen, ehe sie mühsam zu einer ökonomisch politischen Stabilisierung kam, die nach weniger als fünf Jahren, 1929, erneut einstürzen sollte. So war die Weimarer Republik von ihrem Ursprung her beschädigt, durch ihre mangelnde Integrationsfähigkeit, durch eine darnieder liegende Ökonomie und durch schwerwiegende Reparationsverhandlungen mit mächtigen europäischen Nachbarnationen, die über Deutschland gesiegt hatten, sowie durch Traditionen des individuellen und gesellschaftlich Autoritarismus in einer brüchigen Verfassung. Mit der Ausnahme der ersten zwei Jahre war die Weimarer Republik eher durch politische Indifferenz, ja Feindschaft von Seiten des Mittelstandes und großer Teile der gehobenen Gesellschaft gekennzeichnet, so dass es nur mehr der ungünstigen wirtschaftlichen und politischen Konstellation bedurfte, um dem antidemokratischen Denken den Weg zur politischen Massenwirkung zu bahnen. Aber auch die, die zur Weimarer Koalition zählten, waren nur halbwegs mit dem Weimarer Staat identifiziert. Noch am ehesten mochten die Liberalen darin ein Gebilde sehen, das ihrer Vorstellung vom Staatswesen entsprach. Aber sie verloren, wie der Niedergang der Deutschen Demokratischen Partei symptomatisch zeigt, ihre relative politische Bedeutung mit dem Niedergang der Republik. Auch das katholische Zentrum hatte durchaus andere Vorstellungen als die einer liberalen Demokratie westlichen Musters. Schließlich waren die Sozialdemokraten enttäuscht, dass ihr Ideal einer sozialistischen Demokratie nicht Wirklichkeit wurde. Sontheimer resümiert, dass eigentlich niemand diese Republik solchermaßen wirklich wollte, selbst die nicht, die sie dann mehr schlecht als recht gegenüber ihren rabiaten Gegnern verteidigten. Sie konnte kaum einer der wichtigen sozialen Gruppen wirklich befriedigen und ist selbst den pro-republikanischen Akteuren mithin als ein „Gerüst der Not“ (Schieler) vorgekommen. – Aus ihr entstand mit der Inflationskrise 1923 und trotz einer relativen Stabilisierung in den wenigen Jahren dazwischen mit der Weltwirtschaftskrise seit 1929 eine sich ausdehnende und einander verstärkende Krise ökonomischer, politischer und kultureller Orientierungen. Theodor Adorno hat die damit verbundene Mentalität als Ausdruck einer doppelten Krise des Autoritären in Erziehung nach Auschwitz angesprochen. Es wäre noch angegangen, so sinngemäß Adorno, wenn die Strukturen der autoritären Ordnung irgendwie hätten Bestand haben können. Nun, da sie in und mit dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie zerbrochen waren, kam es zu einer prekären gleichsam autoritären Rebellion, die alles, auch das gewissermaßen traditionell autoritäre zerschlug und eine neue Ordnung vor allem autoritärer Aggressionen an die Stelle zu setzen versuchte. Gewiss galt dies lange nicht für Mehrheiten, aber doch für so viele, dass es ihnen gelang, die Weimarer Republik von innen auszuhöhlen. Die strukturelle Schwäche ungefestigter demokratischer Akteure und ihr fehlender gesellschaftlicher Rückhalt hat nicht zuletzt seine Ursache im autoritären Kern der post-wilhelminischen deutschen Gesellschaft, die von den autoritären politisch-kulturellen Modi der Vergangenheit gezeichnet blieb, und der besonderen Schwäche eines selbstbewußten politischen Bürgertums in der „verspäteten Nation”. In der institutionalisierten und kulturellen Vorgeschichte der Weimarer Republik und der „Angst vorm Chaos“ hat die politisch-kulturelle Sehnsucht nach autoritären Lösungen „mit harter Hand” eine zentrale Quelle. Die mehrfache Instabilität begünstigte und verstärkte eine „autoritäre Sehnsucht” nach einer Regierung per Dekret und am Parlament vorbei, was die Weimarer Verfassung mit ihrem staatsautoritären Notstandsartikel (Art.48), der dem Reichspräsidenten entsprechend umfassende Vollmachten verlieh, ermöglichte und seit 1929 Realität war. Dabei war der politische Autoritarismus der Notverordnungen Hindenburg und Brünings nur die eine Seite und nicht einmal das entscheidende. Denn er korrespondierte mit einem psychologischen und gesellschaftlichen Autoritarismus, der sich seit dem Kaiserreich in einer spezifischen Weise verändert hat. Denn es war ja so, dass die alten, schon prekären autoritären Orientierungen und Strukturen, wie sie im Untertan ausgezeichnet beschrieben sind, mit den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs und dem Sturz des Kaiserreiches ihre besondere Legitimität verloren hatten, die alten etablierten Autoritäten des Kaiserreichs zerfallen, gestürzt waren (Adorno), aber daraus große Teile der deutschen Bevölkerung nicht eine demokratische und nicht autoritäre Konsequenz gezogen hatten, sondern verzweifelt und erschüttert nach einer neuen, nicht gekannten, wirksameren Autorität gesucht hat. Gleichsam in autoritärer Rebellion gegen die alten Autoritäten. Sie haben sich in ihrem rebellischen Autoritarismus jenen zugewandt, die in besonderer Weise gegenüber den alten wie den demokratischen Strukturen destruktiv agierten und rebellierten und in einer Art rebellischen Gehorsam sich den den Ideen der konservativen Revolution und den Strukturen der Hitlerjugend und der nationalsozialistischen Bewegung selbst übergeben haben. „Darum haben dann die Autoritätsstrukturen je nun destruktive und – wenn ich so sagen darf – irre Dimension angenommen, die sie vorher nicht hatten, jedenfalls nicht offenbarten. (Adorno, Erziehung nach Auschwitz: 91). Auch wenn – zuvor – das Potenzial, wie es im Untertan beschieden worden ist, gegeben war, so war es doch in den Grenzen der autoritären Stabilität zu Zeiten des Kaiserreichs gewissermaßen gebunden, ehe es mit dem Ersten Weltkrieg entfesselt worden war und sich dann doch bei zu vielen durch die Weimarer Republik hindurch gehalten hatte, ehe es mit dem Zerfall der Legitimität der Weimarer Republik, erst recht seit der Weltwirtschaftskrise in Gestalt der nationalsozialistischen Bewegung faschistisch formierte. In diesem Sinn war die Repräsentation dieses politischen, psychologischen und gesellschaftlichen Autoritarismus eben nicht mehr der Hindenburg der Kaiserzeit, sondern der (kommende) Hitler der neuen Zeit.“
[12] Hans Joachim Symanski, Prof. E. W. Baader – Mensch und Werk (1982-1962), a.a.O. S. 1, 2.
[13] Götz Aly, Hitlers Volksstaat, Raub, Rassekrieg und nationaler Sozialismus, Frankfurt/Main 2002. Interessant in diesem Zusammenhang sind seine ‚Anmerkungen zum Klassencharakter des Nationalsozialismus.’ Rede zur Verleihung des Heinrich-Mann-Preises der Akademie der Künste 2002, in: https://www.perlentaucher.de/essay/hitlers-volksstaat.html - Zugriff: 24.2.2016: „Heute wird die Rassenideologie des Nationalsozialismus oft als pure Anleitung zum Hass und Vernichtung verstanden. Doch für Millionen Deutsche lag das Attraktive des neuen politischen Programms in dem nach innen gerichteten völkischen Gleichheitsversprechen. Für viele schien die Einebnung der Klassenunterschiede in der Staatsjugend, im Reichsarbeitsdienst, in den Großorganisationen der Partei und langsam selbst in der Wehrmacht fühlbar zu werden. Programmatisch verband die Nazi-Bewegung die soziale mit der nationalen Homogenisierung (ein nicht nur in Deutschland erfolgreiches politisches Konzept). Demnach durfte ein sogenannter Arier bald nach 1933 keine Beziehung mehr mit einer sogenannten Jüdin eingehen, aber erstmals in der deutschen Geschichte konnte ein Offizier ein Mädchen aus einer Arbeiterfamilie heiraten, vorausgesetzt beide Partner erwiesen sich nach erbhygienischen Kriterien als ehetauglich. In Anlehnung an die berühmte Köchin Lenins malte Hitler 1938 aus: "Es muss in diesem neuen Deutschland jedes Arbeiter- und Bauernkind bis zur höchsten Führung aufsteigen können." In der Tendenz brach der Begriff Rasse den Begriff Klasse. Das - so meine These - machte den Nationalsozialismus immer wieder mehrheitsfähig. Hitler sprach von Volksgemeinschaft, Mussolini von democrazia totalitaria. Die Mehrheit der Deutschen empfand die Zeit als Epoche besonders schneller Veränderung, sozialer Umschichtung, breiter Aufwärtsmobilisierung, oft auch hoher individueller Verantwortung. In einer Orgie von Krieg und Expansion, Zerstörung und Selbstzerstörung erfüllten sich die gegen die Klassenschranken gerichteten Ziele der Volksgemeinschaft. Und das selbst noch in der Niederlage. Die Zeitgenossen bezeichneten sie treffend als "Stunde Null". Eine Stunde eben, in der viele Unterschiede verschwanden und die Chancen nach den Prinzipien des Zufalls, der Bildung und der sozialdarwinistischen Selektion neu verteilt wurden. Mein Großvater beschreibt in seinen Lebenserinnerungen ausführlich seine Jahre im Ersten Weltkrieg. Er diente als Batteriechef an der Westfront und stützte sich dort 1917 auf einen "prächtigen" Vicewachtmeister: "Furcht kannte er nicht. Ich wollte ihn zum Offizier machen und forderte ihn auf, sich zu melden. Er antwortete mir: ‚Mein Vater ist Schneidermeister. Ich möchte Unteroffizier bleiben. Ich passe nicht in diese Gesellschaft.’ Aber das EK I hat er bekommen." Das ist die soziale Dynamik, die im Ersten Weltkrieg aufbrach und die die NSDAP mit großem Effekt aufnahm. Sie zog Tausende Gebildete an, die ihren Klassendünkel im Dreck des Stellungskriegs gelassen hatten. Sie integrierte den sozialistisch geprägten Arbeiter, den Handwerker, den kleinen Angestellten, die sich alle zusammen soziale Anerkennung und bessere Lebenschancen für ihre Kinder erhofften. Dazu stießen jene, die bereits von der Bildungsreform der Weimarer Republik profitiert hatten und den sozialen Aufstieg fortsetzen wollten. Sie verband nicht der Wunsch nach einer neuen Klassenherrschaft, sondern - neutral gesprochen und heute fast selbstverständlich - nach einem politisch-sozialen Zustand, in dem die Klassenposition zum Zeitpunkt der Geburt möglichst wenig den Lebensweg und die spätere gesellschaftliche Anerkennung eines Menschen festlegen sollte. Ein wesentliches Bindemittel bezog der neue nationale Binnensozialismus aus einem doppelten Antisemitismus: Er richtete sich gegen das "jüdische Spekulantentum", wie gegen den "jüdischen Bolschewismus", die bei aller Gegensätzlichkeit angeblich gemeinsam das Projekt der völkischen Einheit untergruben. Theodor Schieder erklärte 1946 vor der Entnazifizierungskammer in Kempten: "Als Historiker und sozialempfindender Deutscher musste es mich vor allem mit Genugtuung erfüllen, dass die verhängnisvolle Zurücksetzung des deutschen Arbeiterstandes im Volksganzen beseitigt zu werden und einer Einheit aller Stände Platz zu machen schien." Das war keine faule Ausrede, die dem besserungswilligen, von der Jugendbewegung geprägten Ex-Nazi erst jetzt eingefallen wäre. In seinem bevölkerungsgeschichtlichen Geheimgutachten zur Vertreibung von Polen und Juden hieß es Ende September 1939: "Auch wäre zu erwägen, wie weit das Projekt der Wiedereindeutschung der Nordostprovinzen mit dem Gedanken einer Flurbereinigung in den Gebieten des südwestdeutschen Zwergbesitzes verbunden werden könnte." Er forderte in den neuannektierten Provinzen "Landzuweisungen an deutsche Landarbeiter" und bezeichnete 1941 "die Gewinnung von Siedlungsland als Beitrag zur Lösung der sozialen Frage" (in Deutschland). Das Konzept galt für den gesamten, zwischen 1939 und 1942 immer ausgreifender gedachten, Generalsiedlungsplan Ost. In seiner entwickeltsten Form sah der Plan die Vertreibung von 50 Millionen Slawen in Richtung Sibirien vor. Er implizierte also den Tod von Abermillionen Menschen - ein technokratisch durchdachtes, DFG-gefördertes Großverbrechen. Nach innen muss derselbe Generalplan Ost jedoch als Projekt zur Beförderung einer aufsteigenden Klassenbewegung in Deutschland verstanden werden. Hitler schwärmte: "Aus Thüringen und aus dem Erzgebirge zum Beispiel können wir unsere armen Arbeiterfamilien herausnehmen, um ihnen große Räume zu geben." Die Deutsche Arbeitsfront wollte auf diese Weise "mindestens 700.000 landwirtschaftliche Klein- und Kümmerbetriebe beseitigt" sehen. Sämtliche wissenschaftlichen Untersuchungen über die sogenannten Siedlerreserven des deutschen Volkes wiesen auf die Marx'sche Reservearmee, auf die Modernisierungsbedrohten und -verlierer, wie man heute sagen würde. Himmler sprach vom "Sozialismus des guten Blutes". Das alles wurde nicht zum Vorteil von Junkern und Monopolisten geplant, sondern als konkrete Utopie für einfache Deutsche. Ihre Kinder spielten 1942 "Wehrbauer im Schwarzerdegebiet", deutsche Soldatenbräute träumten zu Hunderttausenden von Rittergütern in der Ukraine und der brave Soldat Heinrich Böll, der gewiss kein williger Vollstrecker gewesen ist, schrieb noch am 31. Dezember 1943 aus dem Lazarett an seine Eltern: "Ich sehne mich sehr nach dem Rhein, nach Deutschland, und doch denke ich oft an die Möglichkeit eines kolonialen Daseins hier im Osten nach einem gewonnenen Krieg." Die Anti-Hitler-Koalition verhinderte die Realisierung solcher Träume. Daher lässt sich der kurz angedeutete Generalsiedlungsplan Ost heute noch immer leicht als propagandistischer Schein, als wirklichkeitsfremde Phantasterei beiseite schieben. Um das Projekt einer massenhaften sozialen Aufwärtsmobilisierung, das die zentrale Triebkraft des Nationalsozialismus bildete, auch empirisch greifbar zu machen, empfiehlt sich ein Blick auf die reale Kriegsfinanzierung zwischen 1939 und 1945. Sie zeigt unwiderleglich, wie intensiv und in den Methoden rücksichtslos sich der NS-Staat um das materielle Wohl der schlecht und mäßig verdienenden Deutschen kümmerte. Bereits am 4. September 1939 erging neben der Verordnung zur Lebensmittelrationierung die ebenfalls längst vorbereitete Kriegswirtschaftsverordnung. Sie sollte "dem, durch die Kriegsverhältnisse bedingten Finanzbedarf des Reiches Rechnung tragen". Während im Ersten Weltkrieg nur 13 Prozent der Staatsausgaben aus regulären Staatseinnahmen gedeckt werden konnten, der Rest über Anleihen, konnte im Zweiten Weltkrieg bis in den Herbst 1944 hinein eine von Finanzfachleuten so bezeichnete "goldene Deckungsquote" von 50 Prozent erzielt werden. Die Finanzierung gestaltete sich rein äußerlich sehr viel solider. Zu diesem Zweck wurde neben einer drastischen Gewinnabführung für Unternehmer ein Kriegszuschlag von 50 Prozent auf Lohn- und Einkommensteuer erhoben. Allerdings nur für Jahreseinkommen von mehr als 3000 RM - eine extrem hohe Freigrenze. Nach den Zahlen für das Jahr 1937 blieben sämtliche 15,5 Millionen Arbeiter im Deutschen Reich unter dieser Grenze, von den 3,7 Millionen Angestellten immerhin 53 Prozent. Überstunden-, Nacht- und Feiertagszuschläge mussten seit dem Sieg über Frankreich nicht mehr versteuert werden. Hinzuzuzählen wären die kleinen Beamten, damals bei Post und Bahn in großem Umfang beschäftigt, und die Bauern: Sie lebten in einer "besonderen Steuer-Oase", wie einer der führenden Finanzfachleute des Dritten Reichs 1943 klagte. Obwohl sich das deutsche Steueraufkommen im Zweiten Weltkrieg bis 1942 ungefähr verdoppelte und dann stagnierte, erhöhte sich das Steueraufkommen der Landwirtschaft zwischen 1938 und 1945 um nicht einen Pfennig (wohingegen die staatlich subventionierten Erzeugerpreise um bis zu 30 Prozent stiegen). Wessen Steuern aber erhöhten sich dann? In den ersten 30 Monaten lenkten die Kriegssteuern knapp zwölf Milliarden Reichsmark zusätzlich in die Reichskasse. Betrachtet man die Verteilung zwischen den sozialen Schichten, dann belastete allein die Zusatzsteuer auf Tabak und Alkohol die große Mehrheit der Einkommensbezieher mit etwa 2,5 Milliarden Mark, während die restlichen mehr als 9 Milliarden Mark auf Unternehmen und Bezieher hoher Einkommen entfielen. Noch deutlicher wurde diese Tendenz im Haushaltsjahr 1942/43, als sich auch die deutsche Finanzpolitik auf einen langwierigen Krieg umstellte: "Eine überschlägige Schätzung dürfte ergeben", so schrieb Bernhard Benning, der die Volkswirtschaftliche Abteilung der Reichskreditgesellschaft leitete, "dass die im Jahre 1942 eingeführten zusätzlichen Abschöpfungsmaßnahmen bei den unternehmerischen Einkommen eine Höhe von 15-17 Milliarden RM erreichten gegenüber nur 1 Milliarde RM zusätzlicher Stillegung bei den sonstigen privaten Einkommen." Die geringfügige Erhöhung der Einnahmen aus der Masse der deutschen Werktätigen hatte eine zweite und letzte Erhöhung der Tabak- und Alkoholsteuer bewirkt. Gleichzeitig war die Körperschaftsteuer auf 50 Prozent gestiegen und die Einkommensteuer auf ausgeschüttete Gewinne auf 65 Prozent. Die Hausbesitzer waren Ende 1942, bei absolutem Mietstop, zu einer einmaligen Abgabe von 7,75 Milliarden Reichsmark herangezogen worden - zur "Hauszinssteuerablösung". Damals erbrachten 13 Prozent der Steuerzahler 80 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Die Funktionäre der NSDAP, und allen voran Hitler, sorgten dafür, dass die niedrigen und durchschnittlichen Einkommen bis zum 8. Mai 1945 von jeder direkten Kriegssteuer verschont blieben und die indirekten Steuern höchst moderat ausfielen. Natürlich plädierten die Fachleute für breitenwirksame Steuererhöhungen, um die Staatsfinanzen zu konsolidieren und den extremen Kaufkraftüberhang abzubauen - sie versuchten seit dem Frühjahr 1940 die Jahreseinkommen von 1800 Reichsmark aufwärts für die Kriegssteuer zu erfassen. Aber schon im Juni 1940 bestand unter den Experten "Übereinstimmung darüber, dass zur Zeit überhaupt keine Aussicht sei, irgendwelche steuerlichen Dinge beim Generalfeldmarschall [Göring] und dem Führer durchzubringen". Im Frühjahr 1943 schlug der letzte Versuch des Reichsfinanzministeriums fehl, die unteren Einkommensschichten mit einem generellen Lohnsteuerzuschlag von 25 Prozent zu belasten. Göring lehnte das prinzipiell ab, Hitler wich der Entscheidung unter Hinweis auf seine "Inanspruchnahme mit vordringlichen militärischen Angelegenheiten" aus. Die für die Reichsfinanzen Verantwortlichen stellten resigniert fest, offenbar könne man sich "hinsichtlich der unteren Einkommensschichten, die gerade vom Abschöpfungsgesichtspunkt aus besonders interessant wären, zu keinen energischen Maßnahmen entschließen". Gedanklich war in diesem politischen Verhaltensmuster auch für die spätere Rückzahlung der Kriegsschulden gesorgt. Der Finanzwissenschaftler Hero Moeller wies auf den "Verkauf von hinzugewonnenen freigewordenen Böden und sonstigem unentgeltlich anfallendem neuen Staatseigentum" hin, der eine "beträchtliche Entlastung schaffen" könne. Sein Kollege Benning sprach vom "Rückgriff auf ausländische Volkswirtschaften" und bezeichnete die "bedeutenden Sachwertkomplexe, die durch die Besetzung feindlicher Länder - insbesondere im ehemaligen Polen und in Russland - in das Eigentum des Reiches übergegangen" seien, als "zusätzliche Tilgungsquellen". Fritz Reinhardt, langjähriger NS-Staatssekretär im Reichsfinanzministerium, dachte bereits an entsprechende Volksaktien. Die Rüstungsausgaben seien nicht unproduktiv, ihnen sei vielmehr "das gewaltige Sachvermögen gegenüberzustellen, das durch das deutsche Schwert gewonnen" werde. Deshalb, so gab er 1942 zu Protokoll, sollte "ein Teil des neuen Reichsbesitzes den Sparern zur Verfügung gestellt werden - Beispiel: Anteile an Industriewerken oder Gruben im besetzten Ostraum." Auch das blieb pures Wunschdenken. Real jedoch wurden die laufenden Einnahmen des Reiches schon im Zweiten Weltkrieg in erheblichem Umfang mit dem Griff in fremde Kassen stabilisiert. Nur so nämlich ließ sich die Deckungsquote von 50 Prozent im Kriegshaushalt erzielen. Diese Einkünfte firmierten im Reichshaushalt unter "Sonstige Einnahmen" und erwiesen sich als der "eigentlich dynamische Faktor" (Reinhardt) der deutschen Kriegsfinanzierung. In dieser Position wurden (neben einigen anderen Einnahmen) die Besatzungskosten versteckt, die das deutsche Reich den unterworfenen Ländern auferlegte. Prinzipiell hatte jedes Land 50 Prozent seines letzten Friedenshaushaltes als sogenannte Besatzungskosten zusätzlich zu entrichten - eine ungeheure, von keinem wirklichen Besatzungsaufwand gedeckte Quote. Der schon mehrfach erwähnte Benning, der nach dem Krieg zum Bundesbankdirektorium gehörte, jubelte 1944: "Zu den Steuereingängen kommen als in ihrer Bedeutung ständig erhöhter Posten die sog. sonstigen Einnahmen'. Sensationell war die kürzlich von Reinhardt mitgeteilte neueste Ziffer von 26 Mrd. RM!" Tatsächlich beliefen sich die Einnahmen aus der massiven geldwirtschaftlichen Ausplünderung fremder Länder 1943 und 1944 nach den Berechnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel auf 28,1 bzw. 39,6 Milliarden Reichsmark, damit überstiegen sie in der zweiten Kriegshälfte die regulären inländischen Steuereinnahmen des Reiches. Nun muss nach aller finanzpolitischen Erfahrung jedes Land währungspolitisch zusammenbrechen, dem zugemutet wird, seinen Haushalt innerhalb kürzester Frist um fünfzig Prozent zu erhöhen, um damit die angeblichen Besatzungskosten für eine fremde Macht zu bezahlen. Die Deutschen hatten daran kein Interesse, weil eine unkontrollierte Inflation, wie sie nur im besetzten Griechenland auftrat, die systematische Ausbeutung und eine möglichst kooperative Besatzungsverwaltung sofort erschwert, wenn nicht verunmöglicht. Die Besatzungsmacht sah sich also von Anfang an gezwungen, die Währungen in den besetzten Ländern gleichzeitig zu stabilisieren. Und diese Stabilisierung geschah überall, in höchst geheimer und möglichst spurloser Weise nach demselben Prinzip: Sie bestand in der Verstaatlichung und anschließenden Reprivatisierung des den Juden genommenen Vermögens zugunsten der besetzten Länder Europas. Zufällig sind die einschlägigen Akten für das kleine Gebiet des Militärbefehlshabers Serbien erhalten. Zunächst sollten danach, die Erträge aus der Arisierung als Anzahlung auf eine spätere "Kriegsentschädigung" Serbiens an den Aggressor Deutschland konfisziert werden. Das jedoch korrigierte ein Erlass Görings vom 25. Juni 1942: Von nun an war "das jüdische Vermögen in Serbien zu Gunsten Serbiens einzuziehen. Die Deutschen beabsichtigten mit dieser Maßnahme - und das war das Entscheidende - "eine finanzielle Hilfe für den durch die Last der Besatzungskosten ohnehin stark beanspruchten serbischen Staatshaushalt". Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Besatzungskosten monatlich etwa 500.000 Dinar betragen. Das Gesamt-Vermögen der serbischen Juden belief sich auf drei bis vier Milliarden Dinar. Zum Zeitpunkt der Berliner Entscheidung reichte es also, um die Besatzungskosten für ein gutes halbes Jahr zu decken, oder dafür, über einen längeren Zeitraum den Inflationsdruck auf die serbische Währung zu mindern. Die griechischen Juden wurden während der Hochinflation in Griechenland deportiert. Das Deutsche Reich versuchte damals die Drachme mit einer Doppelstrategie zu stabilisieren: Einerseits - Sie hören ganz richtig - lieferte die Reichsbank Gold an die Nationalbank in Athen, andererseits forcierten die Deutschen die Hellenisierung des Vermögens der Juden von Saloniki, die nunmehr sehr schnell deportiert wurden. Der im Auswärtigen Amt dafür verantwortliche Legationsrat Eberhard von Thadden gab für seine mehrwöchigen Dienstreisen zur Vorbereitung der Deportation nach Auschwitz den folgenden Zweck an: "Sonderauftrag des Führers betr. Stabilisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Griechenland". Ein Jahr später wandten die Deutschen in Ungarn, das sie am 19. März 1944 besetzt hatten, dasselbe Verfahren an. Wieder wurden die Besatzungskosten mechanisch auf 50 Prozent des durch den Krieg ohnehin schon aufgeblähten ungarischen Staatshaushaltes festgelegt. Demnach wurden erst 200 Millionen, bald jedoch 300 Millionen Pengö monatlich auf den Normaletat aufgeschlagen. Am 31. Mai vermerkte der für Ungarn zuständige Beamte im Reichswirtschaftsministerium, Oberregierungsrat Schomaker: "Die ungarische Judengesetzgebung ist inzwischen weiter vervollständigt worden. Die ungarische Regierung rechnet damit, dass die großen finanziellen Anstrengungen, die im Rahmen der gemeinsamen Kriegsführung notwendig werden, weitgehend aus dem Judenvermögen bestritten werden können. Die Vermögen sollen mindestens ein Drittel des Nationalvermögens betragen." Der für die Enteignung zuständige ungarische Beamte teilte mit, "dass die beschlagnahmten Judenvermögen zur Deckung der Kriegskosten und zur Wiedergutmachung der durch Bombenangriffe verursachten Schäden verwendet werden". Die "Neue Zürcher Zeitung" beobachtete am 3. August 1944 in Budapest: "Bei der Arisierung jüdischer Unternehmen ist der behördlich festgesetzte Kaufpreis sofort in bar zu bezahlen, was zeigt, dass die Aktion wie seinerzeit in Deutschland eine gewisse fiskalische Bedeutung (Erleichterung der Kriegsfinanzierung) besitzt." Genauso funktionierte die Arisierung überall in Europa. Vordergründig wurde sie als Hungarisierung, Hellenisierung, Tschechisierung, Polonisierung oder Romanisierung betrieben. Die nationalen Administratoren und die Millionen europäischer Käufer wurden zu Miträubern und Hehlern. Jedoch flossen die Erträge aus dem Verkauften den nationalen Finanzministerien zu und von dort - ganz bewusst und sehr verdeckt organisiert - an die jeweiligen Wehrmachtsintendanten. Sie verwalteten die Konten, auf denen die Besatzungskosten eingingen. Sie standen am Ende eines perfekten Systems der Geldwäsche. Wenn man sich klar macht, dass deutsche Soldaten den Hauptteil ihres Soldes in der Währung des Landes erhielten, in dem sie stationiert waren, um den Inflationsdruck auf die Reichsmark zu mindern, wenn man sich zudem klar macht, dass Lazarettaufenthalte deutscher Verwundeter in Ungarn, Polen oder in Böhmen in der jeweiligen Landeswährung bezahlt wurden, ebenso die Lieferung von Abermillionen Tonnen Lebensmitteln, von Dienstleistungen, Industrieprodukten und Rohstoffen an das Reich und an die Wehrmacht, dann wird klar, wo das Vermögen der ermordeten Juden Europas letztlich geblieben ist. Es wurde zu Gunsten und zum Vorteil von Millionen Deutschen verwertet. Ihnen mutete das Regime geringe Kriegslasten zu und zahlte ihren Sold indirekt aus dem Verkauf des Eigentums von Millionen enteigneter und zum großen Teil ermordeter europäischer Juden. Diese Soldaten deckten sich mit dem Geld auf den Schwarzmärkten Europas ein, kauften sich Zigaretten und schickten Millionen Feldpostpäckchen in die Heimat. Der Päckchen- und Paketverkehr in diese Richtung ist auf ausdrücklichen Wunsch Hitlers niemals beschränkt worden. Damit ist die Frage nach dem Klassencharakter des Nationalsozialismus beantwortet. Wer die klassenbewusste Verteilung der Kriegslasten im Deutschland des Zweiten Weltkriegs betrachtet, kommt zwingend zu dem Ergebnis: Die NSDAP verstand sich als Sachwalterin der kleinen Leute, sah sich dem Egalitarismus der Volksgemeinschaft verpflichtet und vor jeder Zwangsmaßnahme, etwa dem Zwangssparen, und vor jeder breitenwirksamen Steuererhöhung zurück. Hitler-Deutschland wurde im Krieg zum Umverteilungsstaat par excellence. So erklärt sich die hohe innere Stabilität, eine Stabilität allerdings, die - wie in jedem Umverteilungsstaat - immer wieder neu erkauft werden musste. So entwickelte sich eine volkstümliche Einheit von Wirtschafts-, Sozial- und Rassenpolitik. Nicht wenige Ns-Funktionäre sahen im Kriegskommunismus bereits einen Vorgriff auf die Gesellschaftsordnung nach einem deutschen Siegfrieden. Daraus bezog die Sozialutopie des Nationalen Sozialismus ihre politische Schubkraft. Dieser Einsicht zum Trotz wird in der Publizistik immer wieder die grundverkehrte, weil in die verkehrte Richtung weisende Generalisierung Max Horkheimers bemüht: "Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte vom Faschismus schweigen." So hat sich die öffentliche Diskussion in den vergangenen zehn Jahren anhand der Themen "Raubgold" und "Zwangsarbeit" auf die noch existierenden deutschen (auch österreichischen und schweizerischen) Banken und Industrieunternehmen regelrecht eingeschossen. Die Zielrichtung bleibt jedoch selbst dann falsch, wenn sie von den betroffenen Unternehmen zur Vermeidung größerer Imageschäden schnell akzeptiert wurde. Mit den Firmennamen Dresdner Bank, Allianz, Generali, Daimler-Benz, Deutsche Bank, Krupp, IG-Farben oder Thyssen lässt sich der geschichtliche Hintergrund der sogenannten "Entjudung" antikapitalistisch verschleiern, aber nicht auch nur entfernt erklären. In den Fängen der am kollektiven Raub nicht unbeteiligten Firmen blieb der weitaus kleinere Teil des Erbeuteten. In der Masse wurde die Beute so breit wie nur möglich umverteilt. Anders gesagt: Die Arisierung jüdischen Vermögens gehört in die Kette der Eigentumsrevolutionen des 20. Jahrhunderts; der Nationalsozialismus, einschließlich seiner ungeheuerlichen Verbrechen, steht im größeren Zusammenhang der egalitären Bewegungen und Utopien im 20. Jahrhundert. Nur so lässt sich die explosive politische Dynamik der zwölf kurzen Jahre zwischen 1933 und 1945 angemessen analysieren. Wenn man das tut, dann ist das Ende einer Geschichtsschreibung erreicht, die das Jahrhundert bequem nach Gut und Böse sortiert. Wer sich entschließt, die Ermordung der europäischen Juden als Teil einer Politik zu begreifen, die ihre Kraft aus der Gleichheitsidee bezog, der wird unweigerlich feststellen müssen, dass wir demselben Gleichheitsgedanken viele Selbstverständlichkeiten unseres Lebens verdanken. Er bedeutete und bedeutet für Millionen Europäer einen entscheidenden lebensgeschichtlichen Fortschritt - einen Fortschritt, der eben auch mit den Mitteln des Krieges, des Hasses und des Massenraubmords erreicht worden ist. Wer von den vielen Vorteilen für die Millionen einfacher Deutscher nicht reden will, der sollte vom Nationalsozialismus und vom Holocaust schweigen.“
[14] Martin Rüther; Neue Forschungen und Erkenntnisse zur Mitgliedschaft in der NSDAP, in: Dtsch Ärzteblatt Jg. 98, Heft 49 – 7. Dezember 2001, S. A 3264 - A 3265: „Etwa 25 Prozent der deutschen Lehrer traten von 1933 bis 1945 der NSDAP bei; auch die Juristen – gemeinhin als besonders ‚Anfällig’ eingeschätzt – überschritten diesen Prozentsatz nie.“
[15] Birgit Methfessel; Albrecht Scholz; Ärzte in der NSDAP: Regionale Unterschiede, in: Dtsch Ärtzeblatt 2006; 103 (16): A 1064-5. Siehe u.a. auch: Hartmut Hanauske-Abel:, Von Anbeginn an eine tiefe Beziehung. Nationalsozialismus und Ärzteschaft im Jahre 1933. In: Medizin und Gewissen, 50 Jahre nach dem Nürnberger Ärzteprozess. Hrsg. v. Stefan Kolb/Horst Seithe, Frankfurt 1998, S. 52-67. [16] Friedrich Kümmel, Die ‚Ausschaltung’ – Medizin im Nationalsozialismus (III), in: Dt. Ärztebl. 85, Heft 33, 18. August 1988. S. A-2274 – A-2278 (S. A-2276). [17] Vgl. hier Elsner, S. 25 ff. [18] Hans Joachim Symanski, E. W. Baader und seine Zeit – persönliche Erinnerungen, in: Bericht über die 21. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin, Stuttgart 1981, S. 489-494 (S.493). [19] So z.B. Ulrich Zumdick: „Seine Chefarzt-Stelle im Neuköllner Krankenhaus konnte er nur durch das Berufsverbot für jüdische Ärzte erlangen, nicht aus Gründen wissenschaftlicher Reputation.“ in: baua – Aktuell, 2/14, S. 12. Ernst Wilhelm Baader und der Nationalsozialismus. [20] Hans Joachim Symanski, E. W. Baader und seine Zeit – persönliche Erinnerungen, in: Bericht über die 21. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin, Stuttgart 1981, S. 489-494 (S.490-491). [21] Entnazifizierungsakte E. W. Baader, Landesarchiv Duisburg, Bestand: NW – 1100 – BG 34-129. [22] Bundesarchiv Berlin BAB/BCD, Personalakte REM R 4901/24145 Sammlung BDC: Personenbezogene Unterlagen der NSDAP R 9361 I/69 und R 9361I/4766. [23] Otto Wacker war Vizepräsident des Reichsforschungsrates und der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Vom 1. Januar 1937 bis 1939 leitete er vertretungsweise das Amt Wissenschaft im Reichserziehungsministerium. [24] Bundesarchiv Berlin BAB/BCD, Personalakte REM R 4901/24145 Sammlung BDC: Personenbezogene Unterlagen der NSDAP R 9361 I/69 und R 9361I/4766. [25] Bundesarchiv Berlin BAB/BCD, Personalakte REM R 4901/24145 Sammlung BDC: Personenbezogene Unterlagen der NSDAP R 9361 I/69 und R 9361I/4766. [26] Entnazifizierungsakte E. W. Baader, Landesarchiv Duisburg, Bestand: NW – 1100 – BG 34-129. [27] Das Wehrgesetz vom 21. Mai 1935 und seine Ausführungen in Frieden und Krieg, Leipzig 1943. Erst in Folge der Ereignisse des 20. Juli 1944 wurde auf der Grundlage einer Verordnung vom 24. September 1944 in dem am 11. November 1944 veröffentlichten Reichsgesetzblatt eine Abkehr von diesem Prinzip vollzogen. In der Neufassung des § 26 wurde nun die ‚Politische Stellung der Wehrmachtsangehörigen’ festgeschrieben. „Die Angehörigen der Wehrmacht haben die Pflicht, dienstlich und außerdienstlich im Sinne nationalsozialistischer Weltanschauung zu wirken und sich jederzeit für sei einzusetzen. Es is eine der wesentlichsten Aufgaben aller Offiziere, Unteroffiziere und Wehrmachtsbeamten, ihre Untergebenen nationalsozialistisch zu erziehen und zu führen.“ (...) „Die Mitgliedschaft in der NSDAP, ihren Gliederungen und angeschlossenen Verbänden bleibt auch für die Dauer des aktiven Wehrdienstes in Kraft. Die aktive politische Parteiarbeit bedurfte fortan der Genehmigung durch die Vorgesetzten; ein Beitritt war nicht mehr genehmigungspflichtig. Im Weiteren Jörg Hillmann, Der Mythos vom unpolitischen Soldaten. Aspekte einer ‚Ansichtssache’ nicht nur in der Frühphase der Bundeswehr, in: Die Suche nach Orientierung in deutschen Streitkräften 1871 bis 1990, Im Auftrag der Deutschen Kommission für Militärgeschichte und des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes herausgegeben von Michael Epkenhans, Potsdam 2006, S. 39-50. [28] Entnazifizierungsakte E. W. Baader, Landesarchiv Duisburg, Bestand: NW – 1100 – BG 34-129. [29] Entnazifizierungsakte E. W. Baader, Landesarchiv Duisburg, Bestand: NW – 1100 – BG 34-129.
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